Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.

Motiv: HAG, Foto HAG
Navigation Überspringen
 

Hohenhorst

Werkstatt „Vernetzung – Was macht gute Netzwerkarbeit aus?“

WS Vernetzung

Was macht gute Netzwerkarbeit aus? Wie kann die Zusammenarbeit in den Netzwerken in Hohenhorst gestärkt werden? Diese Fragen standen im Fokus der „Werkstatt Vernetzung“, die am 28. September 2015 im Haus am See im Hamburger Stadtteil Hohenhorst durchgeführt wurde. Eingeladen hatte der Koordinierungsbaustein Gesundheitsförderung (KoBa) Hohenhorst mit Unterstützung der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAG). Die Werkstatt wurde im Rahmen des Partnerprozesses „Gesund aufwachsen für alle“ gefördert und von der Techniker Krankenkasse finanziell unterstützt. Zielgruppe der Veranstaltung waren Mitglieder des Arbeitskreises Hohenhorst aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Stadtentwicklung und Bildung.
Die Werkstatt Vernetzung sollte den Akteur_innen aus Hohenhorst die Möglichkeit geben, sich über ihrer bisherigen Erfahrungen in der Netzwerkarbeit auszutauschen und gemeinsam an einer Weiterentwicklung des Netzwerkes zu arbeiten.

Denn: Kommunale Netzwerke benötigen praxisorientierte Informationen und Empfehlungen für die eigene Netzwerkorganisation, um die an sie gestellten Anforderungen erfüllen zu können. Bestehende Netzwerke im Quartier müssen einer Vielzahl von Zielgruppenbedarfen, zu vernetzenden Angeboten und Akteur_innen gerecht werden. Gleichzeitig sind in Hamburg viele Programme, Strategien, Angebote sozialräumlich orientiert angelegt, d.h. der Großteil der Fachleute findet sich in Netzwerken wieder – häufig mit den gleichen Mitstreiter_innen.
Trotzdem ist die Netzwerkarbeit in der Regel nicht die Hauptaufgabe der professionell beteiligten Akteur_innen, sondern wird zusätzlich geleistet. Daraus entsteht der Bedarf die begrenzten Ressourcen für die Netzwerkarbeit gut einzusetzen und aufeinander abzustimmen, um eine gelingende Zusammenarbeit der Akteure im Stadtteil zu erreichen.
Doch welche Anforderungen bestehen hinsichtlich guter Netzwerkarbeit im Quartier? Welche strukturellen Rahmenbedingungen sind dafür notwendig? Wie kann die Zusammenarbeit durch geeignete Methoden unterstützt und die Qualität der Netzwerkarbeit gesichert werden?

Dr. Birgit Böhm vom nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung Berlin gab im Rahmen eines Vortrags und der beratenden Begleitung der Werkstatt Impulse und Empfehlungen zu diesen Fragestellungen. In ihrem Vortrag führte Birgit Böhm unter Anderem unterschiedliche Netzwerktypen und die Relevanz von Netzwerken aus, beschrieb Kriterien für gelingendes Netzwerkhandeln und benannte folgende Punkte zur Sicherung von Qualität:

 
  • Wichtigsten Bedarf und bedürftigste Zielgruppen ermitteln,
  • wenige, konkrete, überprüfbare, für alle Akteure nützliche und allein nicht erreichbare (Gesundheits-) ziele aus dem ermittelten Bedarf ableiten,
  • überprüfen, welche Akteure und Mittel sich ergänzend gebraucht werden,
  • Angebote, Ressourcen und Kapazitäten wirtschaftlich bündeln,
  • notwendige und einzubringende Ressourcen definieren und verbindlich schriftlich vereinbaren, Belastung und Nutzen fair verteilen,
  • Entscheidungszuständigkeiten und Abstimmungsformen eindeutig festlegen,
  • gemeinsames Handeln durch Öffentlichkeitsarbeit kommunizieren,
  • Verabredungen für Krisen-/ Konfliktmanagement treffen,
  • durch Feedback- und Bilanzphasen den Erfolg der Netzwerkarbeit überprüfen,
  • Kooperationsklima durch gemeinsame Aktivitäten pflegen.
 

Die gemeinsame Erstellung einer Netzwerkkarte bildete den Einstieg und die Grundlage, sich ein Bild über die bereits bestehenden Netzwerke in Hohenhorst zu verschaffen. Die Akteur_innen fanden sich hierzu in Zweiergruppen zusammen und befragten sich gegenseitig zu ihrer Person und Institution sowie ihren konkreten Aktivitäten und Projekten im Stadtteil Hohenhorst. Die anschließende Visualisierung auf einer Wandzeitung durch Verbindungslinien zwischen den einzelnen Personen und ihren Aktivitäten verdeutlichte zum einen eine große Vielfalt an bestehenden Kooperationen, zum anderen wurden thematische Schwerpunkte der Netzwerkarbeit in Hohenhorst sichtbar.

Auf Basis der entwickelten Netzwerkkarte und des theoretischen Inputs der Referentin wurden die Akteur_innen dazu eingeladen, ihre bisherigen Erfahrungen in der Netzwerkarbeit in Kleingruppen zu reflektieren und sich über zukünftige Aktivitäten und die mögliche Ausgestaltung der Zusammenarbeit insbesondere in Bezug auf den AK Hohenhorst auszutauschen.

Die Darstellung der Ergebnisse und abschließende Diskussion im Plenum zeigte, wie wichtig die Verständigung über eine gemeinsame Vision der Zusammenarbeit und die Formulierung konkreter Ziele für das Netzwerk sind. Für die Akteur_innen ergab sich daraus das Vorhaben, im nächsten Schritt das Profil des AK Hohenhorst zu schärfen und sich über die künftigen Aufgaben des Netzwerks zu verständigen. Im Rahmen der Werkstatt entstand so der Wunsch nach der Weiterentwicklung des Austauschforums zum Arbeitsgremium mit thematischen Schwerpunkten wie beispielsweise der Schaffung einer Willkommenskultur in Bezug auf die im Stadtteil lebenden Flüchtlinge. Am Ende wurde vor allem auch eines deutlich: Der Blick von oben bringt viel in Bewegung und zeigt vorhandene Potenziale auf.

 

Hintergrund zum KoBa Hohenhorst

Die Siedlung Hohenhorst ist am östlichen Stadtrand im Bezirk Wandsbek gelegen und umfasst 1,12 Quadratkilometer mit rund 5.960 Anwohnerinnen und Anwohnern. Der Anteil an ausländischen Personen entspricht in etwa dem hamburgischen Durchschnitt (13,6% vs. 13,7%), wohingegen der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund leicht erhöht ist (32,0% vs. 29,2%). Zudem ist der Anteil an Alleinerziehendenhaushalten in Bezug auf Haushalte mit Kindern deutlich höher als der hamburgische Durchschnitt (35,8% vs. 27,8%). Auch der Anteil an Arbeitslosen 15- bis unter 65-Jährigen liegt mit 8,3% über dem hamburgischen Durchschnitt von 5,8%. Ein Problem der Gesundheitsversorgung stellt der Wegzug des Kinderarztes dar, dessen freigewordene Praxis trotz Bürgerengagement bis heute nicht nachbesetzt werden konnte. Von 2006 bis 2015 wurde Hohenhorst vom Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) gefördert.

Im November 2010 wurde der Koordinierungsbaustein Gesundheitsförderung (KoBa) in Hohenhorst eingerichtet. Er ist im Haus am See – dem Community Center in Hohenhorst – angesiedelt und wird von dessen Dachträger Erziehungshilfe e.V. koordiniert. Ziel ist es, die Gesundheit der Bewohner_innen in Hohenhorst zu fördern. Seit Mai 2011 existiert der Runde Tisch Gesundheit. Hier kommen Bewohner_innen und Vertreter_innen unterschiedlicher Einrichtungen zusammen, um Ideen und Projekte zur Gesundheitsförderung zu entwickeln. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass die Angebote alle Menschen ansprechen und Raum für Begegnung geschaffen wird. Gemeinsam mit ansässigen Kooperationspartner_innen konnten bereits mehrere Gesundheitsangebote durchgeführt werden.

Zu den bisher durchgeführten Projekten zählen unter anderem:
• Ernährungsberatung für Menschen mit Lernschwierigkeiten
• Stadtteilbegehungen zur Erkundung des Bewegungspotentials für verschiedenen Bewohnergruppen
• Bewegungs- und Entspannungsangebote für Kinder
• Fitness- und Bewegungsangebote für Senior_innen
• Rückenkurse für Frauen
• Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs für Frauen mit Lernschwierigkeiten

 

Werkstatt "Vernetzung"

 

Ihre Ansprechpartnerin:

Elke Weber & Christine Jacobi
Erziehungshilfe e. V. Hohenhorst
Schöneberger Straße 44
22149 Hamburg
E-Mail:
weber@erziehungshilfe-hamburg.de
Internet:
www.hamburg-hohenhorst.de

 
 

Soziale Lage

 
Aktualisiert am: 29.03.17