Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.

Motiv: Familie, Foto Losevsky Pavel, Shutterstock.com
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Zielpatenschaft Stillförderung

Stillen ist ein entscheidender Beitrag zur Gesundheitsförderung. Stillen unterstützt den guten Start ins Leben, ist Nahrung für Körper und Seele und fördert die Mutter-Kind-Bindung. Seit 15 Jahren koordiniert die HAG die Zielpatenschaft Stillförderung und bietet Professionellen aus unterschiedlichen Berufsfeldern und Verbänden ein Austauschforum „rund ums Stillen“. Gemeinsam werden Veranstaltungen entwickelt oder Veröffentlichungen erarbeitet.
Mitglieder sind die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg (BSG), der Berufsverband der Gynäkologen, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Hebammenverband Hamburg sowie weitere Akteure.

 

Auf den Anfang kommt es an!

Wochenbett heute – im Spannungsfeld von Ökonomisierung, Effizienz und Gesundheitsförderung
Fachtagung vom 28.11.2012

Über 80 Akteurinnen und Akteure nahmen an der Kooperationsveranstaltung der Zielpatenschaft Stillförderung der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAG) in Zusammenarbeit mit dem Regionalen Knoten der HAG und mit Unterstützung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) teil. Die Fachtagung hatte zum Ziel, allen Professionen aus Klinik und Praxis, die rund um die Geburt eines Kindes tätig sind, einen berufsgruppenübergreifenden Austausch zum Thema „
Wochenbett heute – im Spannungsfeld von Ökonomisierung, Effizienz und Gesundheitsförderung“ zu ermöglichen.
Der Anfang des Lebens ist ein besonderer Moment und hat es verdient mit genügend Muße erlebt zu werden. Die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels mit dem Ökonomisierungsprozess in der gesundheitlichen Versorgung, also auch in den Geburtskliniken, geben Anlass zur Diskussion: Werden Mütter und Neugeborene heute weniger gut betreut?
Der Titel des Vortrages von Dr. Bernhard Braun (Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen) war auch Programme: „Der Patient/die Patientin steht im Mittelpunkt!“, aber Allen und Allem im Wege. Gesundheitliche Versorgung zwischen Ökonomisierung und Qualitätssicherung.“ Er stellte dar, dass der sparsame Umgang mit knappen Mitteln oder das Vermeiden von Verschwendung ist keine Ökonomisierung sei, sondern dass Ökonomisierung vielmehr eine Umkehr von Zweck und Mittel im Gesundheitswesen sei: Geld werde nicht mehr dazu benötigt, um Patienten zu versorgen, sondern es werden (mehr) Patienten gebraucht, mit deren tatsächlichen oder vermeintlichen Erkrankungen Geld verdient werden kann. Patienten, Krankheiten oder Leistungen, mit denen dies nicht oder nicht sicher der Fall ist, werden nachrangig oder gar nicht versorgt oder erbracht. Er führte weiter aus, dass zur Ökonomisierung also durchaus das Nebeneinander gewinnträchtiger Verschwendung von Geldern für nutzlose Leistungen gehöre und die Rationierung/Priorisierung von notwendigen Leistungen wegen Geldmangels/Nichtfinanzierbarkeit oder zu geringer Rentabilität. Was sind die Folgen? Gesunde werden zu „noch nicht Kranken“ Risikopatientinnenen und Patienten und Leistungen, die wenig Geld in die Kassen bringen, wie beispielsweise eine lange „natürliche Geburt“ werden wenig rentabel.
Dieses Missverhältnis zeigt sich in der gesundheitlichen Versorgung von werdenden Müttern: Ca. 70% aller Schwangerschaften in Deutschland werden als Risikoschwangerschaften eingestuft, etwa sie ökonomisch-lukrative Behandlungen mit sich bringen? ist.“
„Gesundheitswirtschaft wird zum Wirtschaftszweig, wo Gesundheit keine Rolle mehr spielt. Aber: Es gibt Spielraum für Veränderungen!“, fasste Dr. Braun zusammen und ermunterte die Teilnehmenden ihren Spielraum zu suchen und zu nutzen.
„Das Wochenbett als Investition?“ lautete die Frage, an der sich der Beitrag von PD Dr. Arne Manzeschke, Leiter der Fachstelle für Ethik und Anthropologie im Gesundheitswesen vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, orientierte. Dr. Manzeschke beschrieb die Dominanz der Ökonomisierung in der Geburtshilfe aus ethischer Perspektive: „Die kurze Verweildauer in Krankenhäusern nach der Geburt führt zu dem klassischen Dilemma der sozialen Herausforderung. Eltern, die tatsächlich Hilfe benötigen, werden weniger erreicht, zu spät erkannt.“ Alle Eltern müssen mehr über mögliche Hilfsangebote aufgeklärt und befähigt werden, um selbst über die Inanspruchnahme von Leistungen entscheiden zu können.
„Kann man in dieser Situation intelligente Lösungen im Kleinen erarbeiten?“, fragte Dr. Manzeschke zum Abschluss seines Beitrages und lieferte auch gleich eine Antwortmöglichkeit: ein erster Schritt sei die Diskussion publik zu machen und eine gemeinsame Lernkultur zu entwickeln.
Diese Anregung griffen die Akteure aus dem ambulanten und stationären Bereich in der darauffolgenden Fishbowldiskussion auf. Gemeinsam mit den Teilnehmenden gab es einen regen Austausch über die alltägliche Arbeitspraxis und die Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen aus Klinik und Praxis. Zu den Experten/innen in der Fishbowlrunde gehörten die leitende Oberärztin Tina Cadenbach-Blome (Amalie Sieveking Krankenhaus), Silke Koppermann (niedergelassene Gynäkologin), Carmen Canales und Hannah Sawallich (Projekt Babylotse im Katholischen Marienkrankenhaus), Susanne Lohmann (Hebammenverband Hamburg) und Dr. med. Stefan Renz (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte).
Nachdem Input über die Auswirkungen des Ökonomisierungsprozesses auf das Wochenbett, stand die Frage im Raum, wie die Akteure der medizinischen Versorgung rund um die Geburt hierauf angemessen reagieren können? Welche Möglichkeiten gibt es?
Folgende Anregungen wurden im Fishbowl benannt:
-Wochenbett wieder als “Wochen“-Bett verstehen (nach der Geburt sich selber als Eltern und dem Kind mehr Zeit geben zum „Kennenlernen“, um zur Ruhe kommen zu dürfen, sich auf das neue „Abenteuer“ einzulassen).
-Wieder mehr „Normales“ in den Familien sehen und fördern (nicht jede Problemsituation bedarf einer Therapie)
-Nicht nur die medizinisch professionell Versorgung ist wichtig sondern auch Hilfestellungen zur Bewältigung des Alltags durch „Laien“: Freunde, Familie, Nachbarn.
-Mehr Absprache zwischen Geburtshelferinnen, Kinderärzte und Kinderärztinnen und Hebammen, Vernetzung von ambulanten und stationären Hilfsangeboten, damit jede Schwangere bzw. Mutter, die Hilfe bekommt, die sie braucht.
-Empowerment und Selbstwirksamkeit der schwangeren Frauen und Mütter und ihrem sozialen Umfeld stärken (Bestärkung in der Mutterrolle zum sicheren Umgang mit dem Neugeborenen)
Die Vertreterinnen von „See You – Babylotse“ betrachteten ihre Arbeit als eine gute Übergangsgestaltung zwischen stationären und ambulanten Hilfestrukturen: „Wir suchen für Familien mit psychosozialen Belastungen passgenaue Angebote aus dem Stadtteil heraus. Wir sind die von Dr. Manzeschke angesprochene kleine, intelligente Lösung für die besonders vulnerable Zielgruppen rund um die Geburt und im ersten Lebensjahr eines Kindes.“
Bei den Zukunftsvorstellungen zum Wochenbett 2030 waren sich alle Beteiligten einig:
Das Ziel des Wochenbetts der Zukunft sind zufriedene, selbstbewusste und gut informierte Mütter und Väter und gut versorgte Neugeborene.

 

Treffen

Mi 5.12.2012, 15.00-16.30 Uhr

 

Hamburger Still-Empfehlungen

Still-Empfehlungen

Hg. v. Zielpatenschaft Stillförderung der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (HAG),31 Seiten, 2009
Hier können Sie sich die Broschüre herunterladen:

icon: dokument Still-Empfehlungen 2010

 

Fachtagung: Auf den Anfang kommt es an!

 
 

Familie

 
Aktualisiert am: 10.12.12